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Reformer bekunden Respekt vor Altbischof Kamphausen

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Köln, 23.02.2019, 10:15 Uhr
Presse-Ressort von: Jochen Raffelberg Bericht 5563x gelesen

Köln [ENA] Die Reformbewegung Wir sind Kirche hat die “aufrechte Haltung” des Limburger Altbischofs Franz Kamphausen anlässlich seines heutigen diamantenen Priesterjubiläums als “Blaupause” für alle Bischöfe gewürdigt. Seine Haltung in der Schwangerschafts-Konfliktberatung nötige auch heute noch “tiefen Respekt ab”, erklärte die kirchenkritische Organisation in ihrem Glückwunschschreiben. Kamphausen ist seit 60 Jahren Priester.

Der 87-jährige Jubilar habe 1999 bundesweite Bekanntheit durch seine Position in der Frage der Konfliktberatung erreicht, bei der er sich als einziger deutscher Bischof gegen den jahrelangen starken Druck aus dem Vatikan bis zuletzt gewehrt habe. Damit erreichte er eine Sonderregelung für sein Bistum, derzufolge schwangere Frauen Beratungsscheine für eine straffreie Abtreibung erhielten. Obwohl diese Beratungspflicht des § 218 unter wesentlichem Einfluss der katholischen deutschen Bischöfe zustande gekommen war, verbot Papst Johannes Paul II. die Ausstellung der Scheine. Er stattete den damaligen Limburger Weihbischof Gerhard Pieschl mit einer Sondervollmacht aus, um die Konfliktberatung mit Beratungsschein einzustellen bzw. umzugestalten.

Kamphausens Wappen trägt keine bischöflichen Insignien als Zeichen der Macht und dem prachtvollen bischöfliche Palais hatte er eine Wohnung im Priesterseminar vorgezogen. Er habe ein “Zeichen gesetzt, an dem sich viele ein Beispiel nehmen können und das eine Blaupause für Ihre bischöflichen Kollegen sein sollte,” schrieb Wir sind Kirche. In dem Brief wurde seine “aufrechte Haltung” in der Schwangerschafts-Konfliktberatung gewürdigt, wo er “erhobenen Hauptes” dem Papst den Gehorsam verweigerte. Damit habe er sich “als der Erstverantwortliche für das Bistum, nicht einfach als Abteilungsleiter des Papstes” erwiesen.

Der wie sein Nachfolger Franz-Peter Tebartz-van Elst aus dem Bistum Münster stammende Kamphausen hatte die Diözese als 11. Bischof von Limburg über 20 Jahre geleitet. Das Bistum war danach durch den Finanzskandal um Tebartz-van Elst in die Schlagzeilen geraten, dem Mitverantwortung für erhebliche Kostensteigerung und Verfahrensfehler beim Bau des Diözesanen Zentrums Sankt Nikolaus vorgeworfen worden waren. Im Oktober 2013 entband der Vatikan den Bischof von seinen Pflichten. Ein Jahr später nahm Papst Franziskus seinen Amtsverzicht an. Auch musste Tebartz-van Elst wegen Falschaussage gegenüber einem Gericht in Hamburg eine Geldbusse von 20.000 Euro bezahlen.

Kamphausen, der seit seiner Emeritierung in einem Stift in Rüdesheim lebt, sagte der Frankfurter Neuen Presse zur Situation der Kirche, sie liege am Boden und nicht wenige seien dabei, sie auszuzählen. Nach dem Missbrauchsskandal müsse verlorenes Vertrauen wiedergewonnen und den Opfern Vorrang eingeräumt werden. Den heutigen Limburger Bischof Georg Bätzing lobte Kamphausen für seinen “besonnenen und weitblickenden Umgang” mit dem Thema.

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